Die Methode

 

Der Atem ist die Basis jeder Lebensbewegung. Mit dem Wort Atem ist hier die Atembewegung gemeint, die ihren Ansatz im Zwerchfell hat. In einem eutonischen Zustand kann die Atembewegung viel Raum im Körper einnehmen. Der Atemrhythmus verändert sich während der Phonation je nach Aussagegehalt und Länge der Phrasierung.

 

Der Tonus ist die elastische Spannung der Muskulatur und wirkt wiederum auf das Atemgeschehen. So wird z.B. die Tonlänge nicht etwa über die Verlängerung des Ausatems gearbeitet, sondern mit der gezielt eingesetzten Erhöhung des Muskeltonus. Der Ton bleibt somit frei von jeglicher Manipulation des Atems. Der zugelassene Einatemreflex ist ein Indiz für eine gelungene Auflösung von überhöhter Spannung und eines freien Atemflusses. Je nach Tonlage lokalisiert sich der Tonus in unterschiedliche Regionen des Körpers. Der Tonusaufbau geschieht willentlich und ist zuständig für die Tonlänge, Tonkraft und Tonhöhe.

 

Damit sich der Ton von der Schwingung der Stimmbänder aus voll entfalten kann, wirkt eine dritte wahrnehmbare Innenbewegung: die Resonanzschwingung. Dies ist eine feine Vibration der Knochen mit all den Höhlungen, die sie umgeben (Resonanzräume). Resonanzräume fordern innere, seelische Präsenz und Öffnung für die Freigabe des Tones. Sie werden in erster Linie über die Empfindung erarbeitet. Über die Willkür lassen sich die Resonanzräume ungern aufzerren.

Der Atem trägt und gleicht aus, der Tonus unterstützt den Atem und den Ausdruck. So bleibt der Ton frei und kann sich hin zum individuellen Klang erweitern.

 

Wenn diese drei spürbaren Innenbewegungen gut aufeinander „abgestimmt“ sind, erreicht die Schwingung des eigenen Körpers den des Gegenübers. In der darstellenden Kunst, aber auch in jeder Form der direkten Kommunikation, zeugt diese innere Freiheit von einer authentischen Persönlichkeit.